Auszug aus der Rede von Herrn Rothfelder, Geschäftsführer der Wohnstätten Sindelfingen GmbH, zum Handwerkerfest am 27.04.2017 anlässlich der Wiedereinweihung der Gebäude Hintere Gasse 12 und 14 und Lange Straße 17.
„Ich leite nun über zu diesen beiden Gebäuden in der Hinteren Gasse 12 und 14. Auch hier sprechen wir zunächst bei der Hinteren Gasse 12 von einem äußerst wertvollen Denkmal in der höchsten Schutzstufe.
Es stand hier und war zur Hälfte im Eigentum einer Erbgemeinschaft und der Stadt Sindelfingen. Im rückwärtigen Bereich stand ein weiteres Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, ebenfalls im Eigentum einer Erbgemeinschaft.
Wir haben diese 5 verschiedenen Grundstücke, denn so viel waren es, von den Erbgemeinschaften gekauft und hatten das Ziel, das Gebäude von Grund auf zu sanieren.
Zu Beginn führten wir, wie auch bei all unseren anderen Altstadtprojekten, zunächst eine umfangreiche Bestandsaufnahme und Schadensermittlung durch. Das Ergebnis war zunächst erfreulich und überraschend zugleich, das Gebäude war im Gegensatz zu unseren bisherigen Altstadtprojekten nicht einsturzgefährdet. Irgendwann muss man ja auch mal Glück in der Altstadt haben!
Aber unser Glücksgefühl hielt nur wenige Wochen an. Denn dann kam das Ergebnis der Entkernungsarbeiten, wonach beim besonders markanten Südgiebel bis zu 80% der Hölzer beschädigt und bei den übrigen Hölzern eine Durchfeuchtung bis zu teilweise 50% festgestellt wurde.
Die nachfolgenden Beratungen mit dem Landesdenkmalamt brachten dann folgendes Ergebnis: Das Gebäude, bzw. die vielen schadhaften Hölzer könnten mit einem enormen finanziellen Aufwand zwar ersetzt werden, aber danach ist es – weil fast alles neu ist – eben kein Denkmal mehr
Mit Blick auf diesen traurigen aber nicht zu änderten Sachverhalt haben wir uns dann entschieden, das Denkmal abzubrechen. Eine sehr schwierige Entscheidung, welche die Zahl meiner Altstadtfreunde nicht vergrößert hat, denn das Gebäude war ja nicht nur ein sehr wertvolles Denkmal, sondern mit seiner markanten Giebelstellung im Süden bildete es den Eingang zu unserer historischen Altstadt.
Deshalb haben wir zum Abbruch auch unsere Zusage gegeben, an der gleichen Stelle das Gebäude in seiner bisherigen krummen und schiefen Form, den alten Proportionen, der sichtbaren Aufteilung eines Ackerbürgerhauses mit einem Wohn- und Scheunenteil und der früheren Giebelstellung exakt wieder zu errichten. Die markanten Süd- und Westfassaden sollen dabei wieder ein Sichtfachwerk erhalten.
Nun, versprechen kann man viel – man muss es auch halten können. Heute ist der Tag, wo wir nun dieses Ergebnis gemeinsam betrachten können:
ein völliger Neubau in höchster Bauqualität, tatsächlich krumm und schief wie das abgebrochene Gebäude und exakt an der alten Stelle mit den gleichen Proportionen, welches jetzt aber nicht mehr mit Holz, sondern mit Luft beheizt wird.
Und die markanten Süd- und Westfassaden haben hinter einer Glasfassade ein vorgestelltes Sichtfachwerk erhalten, welches ebenfalls exakt dem früheren entspricht.
Wenn man es mit Abstand aus der Grabenstraße betrachtet, ist das „Tor“ zur Altstadt wieder hergestellt, nur halt viel schöner, wie es vorher war.“